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Haiti – ein missverstandenes Land

Im Jahre 2024 unterstützten wir ein „Ultra-Poor Projekt“ in Haiti. Da der Tübinger Autor Toni Keppeler ein aktuelles und neues Buch mit dem Titel: „Haiti – Sklaven, Vodou und ein endloser Kampf um Befreiung“ herausbrachte, machen wir hier gerne auf zwei Buchlesungen aufmerksam.

Sie finden statt am 29.10.2026 um 19.00 Uhr in der Buchhandlung Quichotte in Tübingen und am 17.12.2026 in der Tübinger Außenstelle der Landeszentrale für Politische Bildung in der Wilhelmstraße 8 in Tübingen.

Auszüge aus dem Schwäbischen Tagblatt vom 21.08.2026 von Miri Watson. „Viel kann der Karibik-Kenner aus eigener Anschauung berichten, der vor mehr als 20 Jahren zum ersten Mal nach Haiti reiste. Das war kurz vor dem Sturz des damaligen Präsidenten Aristide. Damals gab es schwere Unruhen. Seither bereiste er die Karibikinsel wieder und wieder, weil er verstehen wollte, was ihm fremd war. In seinem Buch erzählt Keppeler die Geschichte Haitis nicht als Geschichte der kleinen, aber mächtigen Elite. Er versucht stattdessen die Perspektive der von Armut betroffenen Landbevölkerung (die im Land die große Mehrheit ausmacht) einzunehmen.

Dabei beginnt er in der vorkolonialen Zeit, er rekonstruiert den Völkermord an der indigenen Bevölkerung durch die Spanier unter Christoph Kolumbus. An dem Massaker sind ca. 1,3 Millionen Menschen getötet worden. Da die Spanier nicht daran dachten, selbst zu arbeiten, erforderte der schnelle Niedergang der einheimischen Bevölkerung Nachschub von Zwangsarbeitskräften. So beginnt die Zeit, zu der die spanischen Kolonialisten die Vorfahren der heutigen Haitianern aus Westafrika verschleppten und versklavten.

Das haitianische Intellektuelle antirassistisches und antikoloniales Denken wesentlich geprägt haben, macht Keppeler in seinem Buch ebenso deutlich wie die Folgen, die Kolonialismus und Rassenhass bis heute für die haitianische Bevölkerung haben. Dabei zeigt der Autor auch, dass es bis heute die korrupte haitianische Bevölkerung ist, die das Land immer weiter heruterwirtschaftet, von kolonialen Kontinuitäten profitiert und Verantwortung für das Elend der Mehrheitsbevölkerung trägt.

Immer wieder ist der Autor sehr nahe dran, schildert eigene Erlebnisse, Erfahrungen und Gespräche. Eine besonders intime Szene taucht im Buch mehrmals auf: Er wohnte in einer Vodou-Zeremonie bei, die wegen der aufgrund von Gangs sehr prekären Sicherheitslage tagsüber stattfand. Keppeler schildert, welche Bedeutung Vodou als Religion , aber auch als politische-weltanschauliche Denkrichtung für die Menschen auf Haiti hat, und wie sich das echte Vodou von im Westen imaginierten Bildern von Vodoo unterscheidet.

Für Menschen, die über Haiti wenig wissen, gibt das Buch einen guten und umfassenden Überblick über Geschichte und Gegenwart dieses karibischen Staates. Gespickt mit allerlei Literaturtipps ist es allerdings auch eine lohnende Lektüre für alle, die sich für die Folgen des Kolonialismus , der Sklaverei und von Rassismus breschäftigen. Er sagt: „Haiti ist eines der am meisten missverstandenen Länder. Da wollte ich etwas dagegen schreiben.“

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