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„Es droht der globale Kollaps der humanitären Hilfe“

Die Kürzung der USA bei der humanitären Hilfe werde weltweit viele Millionen Menschen das Leben kosten, sagt Wolf-Gero Reichert von der Hauptabteilung Weltkirche der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Anfang Februar 2025 verkündete Elon Musk, sein Team habe soeben USAID (Behörde der USA für internationale Entwicklung), „in den Schredder eingespeist“. Anfang Juli gab US-Außenminister Rubio das offizielle Ende von Auslandshilfen durch USAID bekannt.

Die USA waren im Bereich der humanitären Hilfe jahrzehntelang das größte Geberland. Die Entwicklungsbehörde war einer der größten Organisationen ihrer Art weltweit und organisierte rund um den Globus zahlreiche Hilfsmaßnahmen, von der Aids-Hilfe bis zum Wiederaufbau in Kriegsregionen. Der Kahlschlag bei USAID und der Ausstieg der USA aus der WHO könnte in den kommenden fünf Jahren über 14 Mio. zusätzliche Todesfälle verursachen unter ihnen fünf Mio. Kinder unter fünf Jahren. Das geht aus einer Studie hervor, die im Fachblatt „The Lancet“ veröffentlicht wurde. Das Geld fehle unter anderem bei der Versorgung der Kranken mit Aids und Malariamedikamenten. Dies berichtet Dr. Wolfgang Raiser von der Hilfsorganisation German Doctors im Schwäbischen Tagblatt vom 09.07.2025. Der Verein musste einen großen Teil der Beschäftigten in Kenia nach Hause schicken, weil er sie nicht mehr bezahlen konnte.

Nicht nur das Geld aus den USA ist weggebrochen. Auch die Bundesregierung plant die Kürzung des Budgets für humanitäre Hilfe um fast die Hälfte. Andere Geberländer wie Großbritannien, Frankreich und die Niederlande hätten diesen Schritt bereits hinter sich, so Reichert, „wegen erhöhter Rüstungsausgaben“. „Ganz dramatisch“ ist Reichert zufolge die Lage in Mittelamerika, dort sei die Hilfe für Migranten komplett weggebrochen. Reichert, der Theologie und Volkswirschaft studiert hat, spricht von einer „zynischen Kalkulation der Politik“: Je mehr Menschen auf der Strecke bleiben, desto weniger Hilfsbedürftige gibt es.

„Wir allein können die Welt nicht retten“, sagt Wolf-Gero Reichert. „Aber wir können jeden Tag an ganz vielen Stellen einen Unterschied machen.“ Sehr wichtig für die Motivation sei der Blick auf das was gut läuft. „Zum Beispiel, wenn eine geflüchtete FRau aus Sri Lanka in Indien ein Nähgeschäft aufmacht und schließlich drei Angestellte hat.“

Die konkreten Folgen der Kürzungen bei USAID sind schon jetzt in den Ländern des globalen Südens zu beobachten. Zum Beispiel in Liberia, wie der Kampf gegen Aids in dem westafrikanischen Land leidet. Die Realität ist: Es geht um Leben oder Tod für diese Menschen. Und dieses Geld nicht zu haben, bedeutet: Tod“, sagt Missionsärztin Rebecca Epp in einer Reportage des schwedischen Fernsehens. Nach UN-Angaben stellten die USA im vergangenen Jahr mehr als 70 Milliardern Dollar bereit – für den Kauf und die Verteilung von Nahrungsmitteln, medizinische Hilfe oder Unterkünfte für geflüchtete Menschen; ein Großteil davon ist jetzt gestrichen.

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